Hyundai zieht überraschend den Stecker: Der kompakte Pick‑up Santa Cruz, der 2021 als unkonventionelle Mischung aus SUV‑Komfort und offener Ladefläche debütierte, steht vor einem vorzeitigen Produktionsende. Nachdem die Verkäufe seit dem Höhepunkt 2023 kontinuierlich zurückgingen und Lagerbestände anstiegen, hat der Hersteller offenbar beschlossen, die Strategie im Pick‑up‑Segment neu auszurichten und auf größere, klassischere Modelle zu setzen.
Warum der Santa Cruz scheiterte
Der Santa Cruz war technisch eng verwandt mit dem Tucson: Plattform geteilt, dann mit einer kurzen Ladepritsche versehen — eine Idee, die auf den ersten Blick clever wirkte und potenziell neue Käufergruppen ansprechen sollte. In der Praxis blieb der Erfolg aber begrenzt. Nach dem stärksten Jahr 2023 mit rund 36 700 Einheiten sanken die Verkäufe auf nur noch 25 499 Fahrzeuge in 2025. Im direkten Wettbewerb mit dem Ford Maverick, der die Nische deutlich dominierte, blieb der Hyundai zurück. Gründe dafür sind vielfältig:
Technik und Angebot: Was bot der Santa Cruz?
Für das Modelljahr 2025 präsentierte Hyundai eine überarbeitete Fassung, die optisch robuster wirkte. Motorenseitig stand ein 2,5‑Liter‑Sauger mit 194 PS sowie eine aufgeladene Version mit 285 PS zur Wahl; beide Varianten kamen stets mit Automatikgetriebe und Allradantrieb. Das Konzept zielte bewusst auf Kunden, die den Fahrkomfort eines SUV schätzten, aber hin und wieder eine praktische Ladefläche benötigten. Diese Cross‑Over‑Nische hat sich jedoch als zu klein beziehungsweise zu widersprüchlich herausgestellt, um nachhaltige Verkaufszahlen zu erzielen.
Neue Ausrichtung: größer, robuster, klassischer
Hyundai will künftig stärker auf mittelgroße, klassisch aufgebaute Pick‑ups mit Leiterrahmen setzen. Dazu laufen Projekte, die gegen Ende des Jahrzehnts in Produktion gehen sollen. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Modelle, die auf Plattformen wie dem für Australien entwickelten Kia Tasman basieren, oder um gemeinsam mit Partnern wie General Motors entwickelte Pick‑ups für Märkte in Mittel‑ und Südamerika. Diese Strategie zielt darauf ab, breitere Käufersegmente anzusprechen — von Gewerbekunden bis zu Pickup‑Enthusiasten — die an robusten, utilitaristischen Fahrzeugen interessiert sind.
Produktionsverschiebungen und Konsequenzen
Mit dem Produktionsende des Santa Cruz würden Kapazitäten im Hyundai‑Werk in Montgomery (Alabama) frei. Hyundai könnte diese Kapazitäten für volumenstärkere Modelle wie den Tucson nutzen, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll erscheint. Zugleich eröffnet die Neuausrichtung die Chance, in wachstumsstärkeren Pickup‑Segmenten mitzugestalten — sofern die Modelle und das Marketing klarere Kundenbedürfnisse bedienen als der Santa Cruz.
Lehren aus dem Santa‑Cruz‑Debakel
Was bedeutet das für Kunden und Händler?
Für Käufer potenzieller Santa Cruz‑Modelle sollten die verfügbaren Lagerbestände und Händlerangebote kurzfristig attraktiv sein — Rabatte und gute Konditionen sind möglich, solange Restbestände abverkauft werden. Für Händler bedeutet die Entscheidung hingegen, dass sie künftig andere Modelle – häufiger mit stärkerer Nachfrage – in den Vordergrund rücken müssen. Für Kunden, die ein kompaktes, SUV‑nahes Pickup‑Konzept suchten, bleibt vorerst der Markt dünn; alternativen wie der Ford Maverick behalten daher strategisch eine besondere Stellung.
Blick nach vorne
Hyundai setzt künftig auf größere, klassischere Pick‑ups und auf Kooperationen, um in wachstumsstarken Märkten Fuß zu fassen. Ob dieser Strategiewechsel erfolgreich ist, hängt davon ab, ob die neuen Modelle die Anforderungen von Flottenkunden wie Privatkäufern treffen: Robustheit, Nutzlast, Wirtschaftlichkeit und ein klar kommuniziertes Produktversprechen. Für die Pickup‑Landschaft in Nordamerika bedeutet das mögliche Ende des Santa Cruz: ein Lehrstück darüber, wie schwierig es sein kann, eine Nische dauerhaft zu besetzen, wenn die Positionierung nicht eindeutig ist.
